:: FLUGANGST - der ganz persönliche Alptraum?! ::

Von jeher war es ein Traum der Menschheit, vom Boden abzuheben und zu fliegen. In der modernen Welt ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Für Menschen jedoch, die unter Flugangst leiden, wird dieser uralte Menschheitstraum zu einem ganz persönlichen Alptraum - sobald sie in einem Flugzeug sitzen.

Dabei hat die Flugangst viele Gesichter. Und die Betroffenen unterscheiden sich wie bei sonst keiner anderen Angst:

Da ist zum Beispiel Frau F. Von ihrem Typ her würde sie sich eher als "vorsichtig oder ängstlich" bezeichnen. Sie macht sich schnell mal über das eine oder andere Sorgen und vermeidet Situationen, denen irgendwie der Anschein einer Gefahr anhaftet. In ein Flugzeug hat sie sich noch nie getraut, da sie sich überhaupt nicht vorstellen kann, wie sich so ein Koloss aus Stahl in die Lüfte erheben kann. Außerdem hat sie Höhenangst. Frau F.'s Vater wohnt seit der Berentung in Südspanien. Um ihn zu besuchen, fahren ihr zuliebe alle Familienmitglieder die Strecke mit dem Auto - was bei heißem Wetter kein Spaß ist.

Dann gibt es noch Herrn M., der aufgrund beruflicher Termine mehrmals im Monat fliegen muss. Im Beruf ist Herr M. sehr erfolgreich und leitet eine große Abteilung in seiner Firma. Seit eine paar Jahren leidet er unter Flugangst: Er fliegt zwar, aber nur mit großer Angst und mit einer guten Vorbereitung. Vor jedem Flug trinkt er ein bis zwei Gläser Wein und auch im Flugzeug lässt er sich noch eins bringen. Seinen "Notfallkoffer" mit einem Beruhigungsmittel, einem Walkman mit Entspannungsmusik, ein Fläschchen Cognac und einen Glücksbringer hat er auf allen Flügen dabei. Trotzdem ist er nach jedem Flug so geschafft, dass er inzwischen immer schon einen halben Tag Erholungszeit einplant bevor er sich mit seinen Geschäftspartnern trifft. Obwohl er oft fliegt, hat er nicht den Eindruck, als habe sich irgendwas an seiner Angst verändert. Besonders schwierig findet er beim Fliegen, dass er sich einem unbekannten Piloten anvertrauen muss und er den Flug selbst nicht kontrollieren kann.

Oder Frau W.: Seit ungefähr vier Jahren leidet sie unter Flugangst. Damals war sie zusammen mit ihrem Freund in den Urlaub geflogen. Auf dem Flug waren so starke Turbulenzen aufgetreten, dass Frau W. dachte, sie werde den Flug nicht überleben. Schon vor diesem Flug war sie davon überzeugt, dass das Fliegen gefährlich ist. Seit diesem Erlebnis verfolgt sie aufmerksam die Berichte über Flugzeugunfälle in den Nachrichten. Schon wegen des 11. Septembers und der ständigen Bedrohung durch den Terrorismus würde sie nicht wieder fliegen.

Und schließlich Herr K.: Schon seit vielen Jahren meidet er Fahrstühle- er läuft lieber die Treppen. Auch große Menschenmengen vermeidet er. Seit einiger Zeit fühlt er sich auch in anderen engen Räumen wie z.B. in der Straßen- oder U-Bahn nicht wohl. Er bekommt dann immer Beklemmungsgefühle und ihm wird übel. Begonnen hat diese Angst mit einer Panikattacke im Fahrstuhl, die eigentlich wie aus heiterem Himmel auftrat. Früher hatte er auch keine Probleme mit dem Fliegen, aber seit dieser Erfahrung vermeidet er auch jeden Flug und macht jetzt lieber Urlaub in Deutschland.

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Was ist eigentlich Angst?

Sicherlich muss man niemandem erklären, was Angst eigentlich ist - jeder hat schon einmal in der einen oder anderen Situation Angst erlebt: Die Angst als Kind vor unbekannten Personen, die Angst vor einer schwierigen Prüfung in der Schule, die Angst vor dem Zahnarzt oder die Angst, von anderen missverstanden zu werden usw. Angst zu haben, ist also normal und ganz typisch für uns Menschen.

Ebenso wie Angst gehört "Wut" oder "Ärger" zu den Emotionen, die wir negativ, also als störend oder überflüssig empfinden. Vielen wäre es natürlich lieber, wenn das Leben völlig angstfrei verlaufen würde. Aber ist Angst wirklich derart überflüssig, dass man sie am besten "abschalten" oder "wegtrainieren" sollte?
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Ist Angst sinnvoll?

Auf den zweiten Blick kann Angst ein zwar unangenehmes, aber sehr sinnvolles und notwendiges Gefühl sein. Bei vielen Gelegenheiten hilft sie uns, besser oder angemessener mit den jeweiligen Lebenssituationen zurecht zu kommen. So kann z.B. eine Person in einer Prüfung dann die beste Leistung bringen, wenn sie ein mittleres Ausmaß an Angst oder Anspannung spürt. Manche Schauspieler spornt gerade etwas Lampenfieber zu maximaler künstlerischer Darstellung an. Die Angst hält uns außerdem davon ab, besonders waghalsige Projekte in Angriff zu nehmen. In Situationen, in denen eine schnelle Reaktion notwendig ist, hilft uns Angst, angemessen zu reagieren. Kommt Ihnen beispielsweise beim Überqueren der Straße ein Auto mit hoher Geschwindigkeit entgegen, lässt Sie die automatische Angstreaktion rasch zur Seite springen und rettet Ihnen dadurch sogar das Leben. Die typischen und meist schnell eintretenden körperlichen Veränderungen, die mit der Angst verbunden sind, bewirken, dass im Körper zusätzliche Energien freiwerden, die uns Höchstleistungen vollbringen lassen.

Ängste können sehr unterschiedliche Ursachen haben, wie z.B. gefährliche Situationen, belastende Lebensereignisse oder Lebenskrisen. Meist jedoch sind Ängste gelernt, d.h. nach bedrohlichen Situationen entstanden. Wurden Sie beispielsweise als Kind von einem Hund gebissen, können Sie aufgrund dieses Ereignisses Angst vor Hunden entwickelt haben. Doch genauso wie diese Angst "gelernt" wurde, kann sie auch "verlernt" werden. Das geschieht mit Hilfe neuer Erfahrungen, durch die die Ängste dann verschwinden.

Ängste sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Angst vor Hunden z.B. kann von einem Unwohlsein in Anwesenheit von Hunden bis zu einer völligen Vermeidung von Orten, wo sich Hunde u.U. aufhalten könnten. Der Übergang zwischen einer leichten Angst und einer krankhaften Angst, einer Phobie (klinisch-psychologischer Begriff für starke Angst mit Vermeidung vor bestimmten Situationen), ist also fließend. Übersteigt die Angst ein gewisses Maß dann bringt sie mehr Nachteile als Vorteile mit sich. Starke Angst verringert die Konzentrationsfähigkeit und engt das Denken ein. Darüber hinaus kann sie auch zu unüberlegten und gefährlichen Kurzschlusshandlungen führen. Wenn Menschen unter ihrer Angst leiden, ihr Leben und ihre alltäglichen Aktivitäten durch sie beeinträchtigt werden und sie sie als übertrieben stark oder unangemessen empfinden, dann spricht man von einer Angststörung. Inzwischen gelten Ängste als allgemein gut behandelbar, da es sehr effektive Konzepte gibt.
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Wie äußert sich die Angst?

An den oben beschriebenen Beispielen kann man zeigen, dass sich jede Angst aus drei Komponenten zusammensetzt:
  • die gedankliche Komponente der Angst
  • die körperliche Komponente der Angst
  • die Verhaltenskomponente der Angst
Komponenten der Angst
Die drei Anteile der Angst treten meist zusammen auf, wobei die einzelnen Komponenten unterschiedlich stark erlebt werden können. Je intensiver sie erlebt werden, desto größer ist die Angst! Die gedankliche Komponente der Flugangst umfasst z.B. Bewertungen, wie "das Fliegen ist sehr gefährlich" oder "wenn der Pilot einen Fehler macht, stürzen wir alle ab". Die körperlichen Komponenten der Flugangst sind z.B. Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Kurzatmigkeit etc. Die Verhaltenskomponente beinhaltet z.B. ein aufgeregtes Hin- und Herlaufen im Flugzeug oder das "Erstarren" im Sitz. Während der angstauslösenden Situation können die drei Komponenten sich gegenseitig so beeinflussen und aufschaukeln, dass eine Person ihr "Alarmsystem Angst" nicht mehr kontrollieren kann.


Die Angst vor dem Fliegen

Unter Flugangst (Aviophobie) verstehen wir eine anhaltende und unangemessene Furcht vor dem Fliegen. Das erlebte Ausmaß an Angstreaktionen reicht von Unbehagen bis hin zur Panik. Quer durch alle Alters- und Berufsgruppen leiden Menschen unter Flugangst. Dabei sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen. Personen, die noch nie geflogen sind, können genau wie Vielflieger eine Flugangst entwickeln.

Das Institut für Demoskopie Allensbach fand 1995 in einer repräsentativen Umfrage heraus, dass 15% der Befragten unter Flugangst leiden. Außerdem gaben 20% an, ein deutliches Unbehagen beim Fliegen zu spüren.

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Wie macht sich die Flugangst bemerkbar?

Flugangst äußert sich auf allen drei der oben beschriebenen Komponenten der Angst. Typische Angstgedanken bei der Flugangst können sein: "Fliegen ist gefährlich - wir könnten abstürzen und alle tot sein"; "vielleicht ist der Pilot unzuverlässig und unfähig", "wie kann eine so schwere Maschine überhaupt fliegen?". Andere Gedanken und Bewertungen treten in Situationen, die von Personen als "gefährlich" eingestuft werden: Das Flugzeug gerät in Turbulenzen, die roten "Anschnallzeichen" leuchten auf, das Bordpersonal unterhält sich mit besorgter Miene, es kommt zu einer Verzögerung beim Starten oder Landen usw.

Komponenten der Flugangst

Auf der körperlichen Ebene können alle der oben beschriebenen Symptome auftreten. Diese sind u.a. Herzklopfen, Verspannungen, kalte Hände, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Zittern, trockener Mund, flaues Gefühl im Magen, Atemnot, Übelkeit, Schwitzen usw. An Verhaltensweisen kommen vor allem das aktive Vermeidungsverhalten oder die passive Vermeidung durch Beruhigungsmittel oder Alkoholkonsum vor.

So unterschiedlich wie Menschen nun mal sind, äußert sich auch die Flugangst bei jedem anders. Manche haben schon Monate vor dem Flug ein flaues Gefühl, bei anderen beginnt sie im Flughafenterminal und wieder andere spüren sie erst wenn Turbulenzen auftreten.

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Wege aus der Angst

Wie oben bereits beschrieben, kann es nicht Ziel sein, das hilfreiche Alarmsystem oder den Leistungssteigerer "Angst" gänzlich loszuwerden. Ziel muss es vielmehr sein, den überschießenden Angstteil auf ein angemessenes Maß zurück zu bringen. Es gilt auch zu lernen, dass Angst nicht gleich Panik ist. Sie kann soweit kontrolliert werden, so dass ein Aufschaukelungsprozess vermieden werden kann.

Die Angst bewältigen heißt aktiv werden und sich der Angst stellen. Dabei ist es zuerst hilfreich zu wissen, wie die übermäßige Angst entstanden - aber noch wichtiger, wodurch sie aufrecht erhalten wird und wie man diesen Teufelkreis durchbrechen kann.

Die Behandlung kann auf folgenden Ebenen ansetzen:

Damit Sie das Geschehen an Bord richtig einschätzen und ihre Gedanken nicht Amok laufen, brauchen Sie Informationen aus erster Hand. Diese Information über technische Hintergründe Meteorologie, Alltag des Flugpersonals, Sicherheitsvorkehrungen etc...haben zur Folge, dass viele Angstreize ihrer Grundlage beraubt werden, d.h nicht mehr als bedrohlich bewertet werden. Andere Möglichkeiten mit den angstvollen Gedanken umzugehen, sind Gedankenstopp und kognitives Umstrukturieren (diese Techniken werden im Kurs vermittelt).

Lösung durch gezielte Maßnahmen: Die Angst schwindet!
Die körperlichen Angstsignale und die Verspannungen können durch die praktische Durchführung einer Entspannungsübung reduziert werden. Wer körperlich entspannt ist, kann keine oder nur sehr wenig Angst erleben. Für diesen Zweck ist es am einfachsten, die Progressive Muskelrelaxation (PMR) zu erlernen (die PMR und eine Kurzentspannungstechnik sind Inhalte des Kurses).

Ein effektives Mittel gegen die Angst ist die Konfrontation, d.h. das effektive Mittel gegen die Flugangst ist das Fliegen. Vermeidet man das Fliegen, beraubt man sich der Möglichkeit, positive Erfahrungen zu machen. Daher ist das Fliegen ein wichtiger Bestandteil des Kurses. In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde bereits die Effektivität der Konfrontation mit der angstauslösenden Situation nachgewiesen.

Insgesamt zeigen die Erfahrungen, dass Angst vor dem Fliegen nicht sein muss. Schon in zwei Tagen kann sich die Flugangst deutlich und langfristig reduzieren.


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Was ist Flugangst?

Wege aus der Angst

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Stand: 09.01.2010